Ein Ende mit Totalschaden für einen Luxusautodiebstahl
Nach einem versuchten Einbruch in eine Zürcher Garage werden im Oktober 2025 drei junge Männer festgenommen. Der missglückte Diebstahl ist einem grösseren Phänomen zuzurechnen, das fedpol bereits mittels operativer Koordination bekämpft.
Es ist ein früher Abend im Oktober 2025. In einem Zug von Lausanne nach Zürich sitzen ein Jugendlicher und mehrere junge Männer, die fieberhaft auf ihren Handys herumtippen. Sie chatten miteinander über eine gängige Instant-Messaging- und Video-Sharing-App, der Inhalt ihres Chats ist allerdings alles andere als alltäglich:
Sie alle erhalten über diese App seit ein paar Stunden Anweisungen eines Auftraggebers. Kurz nachdem dieser einen Chatkanal eröffnet hat, gibt er ihnen beispielsweise durch, welchen Zug sie ab Lausanne nehmen sollen. Danach folgen umgehend Informationen zu ihrem heutigen Zielobjekt, einer Garage im Zürcher Oberland:
Der geplante Luxusautodiebstahl wird allerdings ein vorschnelles Ende nehmen. Kurz nach 22 Uhr verhaftet die Kantonspolizei Zürich drei von ihnen: einen 14-Jährigen und zwei Männer im Alter von 22 und 28 Jahren. Die Alarmanlage der Garage hat direkt bei der Polizei einen Einbruchalarm ausgelöst.
Über die sozialen Netzwerke angeworben
Der missglückte Diebstahl ist Teil eines grösseren und vor allem wachsenden Phänomens. Rund 180 erfolgreiche und versuchte Einbrüche in Garagen wurden 2025 schweizweit registriert. Die dahinterstehenden Banden stammen meist aus Vororten französischer Grossstädte.
In der Schweiz haben die Täter meist weder einen Bezug zu den Auftraggebern noch untereinander. Ihre «Aufträge» nehmen sie über die sozialen Netzwerke oder Chatkanäle entgegen. Es ist eine Form von Crime as a Service, Kriminalität als Dienstleistung sozusagen (siehe Box unten). Die damit verbundenen Risiken sind zahlreich, wie der in diesem Artikel illustrierte Fall verdeutlicht:
Der Diebstahl von Luxusautos scheint, ebenso wie Einbrüche in Waffengeschäfte, mehrheitlich das Werk der gleichen Banden zu sein. Diese Taten sind als eine Form der organisierten Kriminalität zu betrachten.
Einsetzung von Taskforces
Die bis anhin in der Schweiz festgestellten Sachverhalte fallen in die kantonale Zuständigkeit, wie auch der in diesem Artikel beschriebene Fall. Die Steuerung der Einsätze und alle weiteren Ermittlungsmassnahmen sind Sache der jeweiligen Kantonspolizei. Die Ermittlerinnen und Ermittler von fedpol leisten jedoch Unterstützung und setzen alles daran, solche Straftaten zu unterbinden. 2025 wurden deshalb bei fedpol und den Kantonspolizeien Taskforces eingesetzt, um gegen solche Diebstähle vorzugehen. Die Taskforces sollen die Koordination mit den Kantonen und insbesondere den Informationsaustausch erleichtern und die Kantone unterstützen. Aufgrund der Lageentwicklung und der Häufung der Einbrüche und Einbruchsversuche haben der Bund und die Kantone im Rahmen der Vereinigung der Schweizerischen Kriminalpolizeichefinnen und -chefs (VSKC) im April 2026 entschieden, eine nationale Taskforce einzurichten. Die Gesamtleitung dieser Taskforce liegt bei fedpol. Die operative Führung wird von einer Co-Leitung zwischen fedpol und der Kantonspolizei Zürich wahrgenommen.
Die umgesetzten Repressions- und Präventionsanstrengungen werden mittelfristig Wirkung zeigen. Dass dem so ist, bestätigt gerade ein Rückgang, der in einem anderen Bereich zu beobachten ist: bei den Angriffen auf Geldautomaten.
Crime as a Service: Wenn die sozialen Netzwerke in die Kriminalität führen
Noch kaum richtige Teenager, schon verkaufen sie Drogen, begehen Betrug, Cybercrime-Delikte, Diebstahl oder Einbrüche. Überall in Europa rekrutieren kriminelle Banden Jugendliche über die sozialen Netzwerke. Crime as a service wird dieses Phänomen genannt, und auch die Schweiz bleibt davon nicht verschont. Im Gegenteil: Es wird auch hier immer häufiger festgestellt.
Diese besorgniserregende Entwicklung muss die Gesellschaft gesamtheitlich angehen. Konkret bedeutet dies, dass Prävention schon im Kindesalter beginnen muss. Genau hier setzt der Nationale Aktionsplan zur Verhinderung und Bekämpfung von Radikalisierung und gewalttätigem Extremismus an. Sein Ziel ist es, junge Menschen im Internet besser zu schützen und ihre digitalen Kompetenzen zu stärken.
fedpol unterstützt mehrere Projekte, die zur Umsetzung des Aktionsplans beitragen. Darunter das Projekt Mind-Hack der Kantonspolizei Thurgau, in dem virtuelle Lernräume zur Prävention von Radikalisierung geschaffen werden. Oder die ZHAW School of Management and Law, die mehrere Publikationen zu rechtlichen Aspekten der Radikalisierung und Gewalt bei Jugendlichen plant.
«Zu den Aufträgen von fedpol gehört es, die Koordination zu erleichtern und die Kantonspolizeien zu unterstützen, je nach deren Bedarf und den vorhandenen Ressourcen. Beim Diebstahl von Luxusautos haben wir auf Anfrage eines Kantons über eine Taskforce gezielt und massgeschneidert unterstützt.»
Jan, Kommissariatsleiter
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