Wenn Alltagsprodukte Sprengkraft erhalten
Seit 2023 erfasst fedpol jeden Erwerb von Vorläuferstoffen durch Privatpersonen. Dies verbessert die Rückverfolgbarkeit und erhöht damit die Sicherheit der Bevölkerung. Die Anzahl Transaktionen bleibt stabil; die Erwerbsbewilligungen gehen erwartungsgemäss zurück.
Was haben Schwimmbäder und Maisfelder gemein? Um Schwimmbäder zu desinfizieren, wird Wasserstoffperoxid verwendet. Und im Dünger, der beispielsweise für Maisfelder verwendet wird, ist Ammoniumnitrat enthalten. Wasserstoffperoxid wie auch Ammoniumnitrat enthalten Vorläuferstoffe, die in einer bestimmten Konzentration und Dosis zur Herstellung von Explosivstoffen missbraucht werden können.
Von Homemade Explosives (HME) spricht man, wenn die Herstellung in einem improvisierten Labor ausserhalb der industriellen Produktion stattfindet. Bereits deren Herstellung ist wegen hoher Explosionsgefahr ein Risiko. Nicht nur ist die Umwelt in der Nähe des Herstellungsortes gefährdet, sondern auch die Einsatzkräfte, welche die Reste dieser explosiven Stoffe beseitigen müssen. So werden HME beispielsweise oft von Terroristen und Mitgliedern krimineller Organisationen genutzt, um Anschläge oder Angriffe auf Geldautomaten zu verüben.
| Transaktionen und Bewilligungen | 2023 | 2024 | 2025 |
|---|---|---|---|
| Anzahl Transaktionen (total) | 2 953 | 3 023 | 2 811 |
| Anzahl erteilte Erwerbsbewilligungen | 2 449 | 719 | 504 |
Um die missbräuchliche Verwendung von Vorläuferstoffen und die damit einhergehenden Gefahren zu verhindern, müssen Privatpersonen für den Kauf von Vorläuferstoffen in gewissen Konzentrationen eine Bewilligung des Bundes beantragen. Diese Regelung ist 2023 mit dem neuen Gesetz über Vorläuferstoffe für explosionsfähige Stoffe (VSG) in Kraft getreten.
Im Jahr 2025 ist die Anzahl der erteilten Erwerbsbewilligungen erwartungsgemäss leicht gesunken; von 719 auf 504. Die Bewilligungen führte fedpol 2023 ein, mit einer Gültigkeit von jeweils drei Jahren. Dies erklärt die hohe Anzahl im Jahr 2023. Trotzdem registrieren die Verkaufsstellen im Informationssystem von fedpol jeden Erwerb oder jede Transaktion von Vorläuferstoffen durch Privatpersonen. Dies ermöglicht eine bessere Rückverfolgbarkeit der Produkte und Käufe: ein entscheidender Schritt zu mehr Sicherheit für die Bevölkerung.
Im Jahr 2025 werden neun Verwaltungsstrafverfahren wegen Widerhandlung gegen das VSG eröffnet. Dabei handelt es sich um Personen, die im Ausland Vorläuferstoffe bestellen und von den ausländischen Partnerbehörden bei fedpol gemeldet werden. In weiteren Fällen versuchen Personen die verbotenen Vorläuferstoffe in die Schweiz einzuführen, die dann vom Bundesamt für Zoll und Grenzsicherheit abgefangen werden.