Paketbomben, Sprengsatzanschläge, Erpressungsschreiben: fedpol und die Genfer Polizei ermitteln gemeinsam

Im Frühjahr 2025 erlebt Genf eine Serie von Drohungen und Anschlägen. Die Ereignisse reichen von Erpressungsschreiben und Lösegeldforderungen über eine Detonation in einem Briefkasten, bis hin zu einer Explosion in einem Wohnquartier. Ein Kind und ein Mann werden verletzt.

Die Drohungen und Anschläge, die Genf von August 2024 bis März 2025 erschüttern, scheint ein Muster zu verbinden: Sie sind ausgeklügelt geplant, sorgfältig vorbereitet, mit viel technischem Verständnis umgesetzt und darauf angelegt, Angst zu verbreiten. Als im August 2024 ein Sprengsatz im Genfer Wohnquartier Grange-Canal explodiert, wird der Fall aufgrund des mutmasslichen Sprengstoffdelikts zur Bundesangelegenheit. Unter der Leitung der Bundesanwaltschaft führt fedpol die Ermittlungen in Zusammenarbeit mit der Kantonspolizei Genf.

Die Detonation zerstört die Briefkästen des Wohnhauses, ein Kind wird verletzt.

Die Bundeskriminalpolizei von fedpol stellt eine Taskforce zusammen. In Genf entsteht eine gemeinsame Ermittlungsstruktur mit Spezialistinnen und Spezialisten der kantonalen Kriminalpolizei. Die Taskforce nimmt jedes Detail unter die Lupe: Tausende von Hinweisen werden analysiert und von allen Seiten beleuchtet. Mal führen sie in eine Sackgasse, mal werden Zusammenhänge klar. Jedes neue Detail – eine wiederkehrende Formulierung in einem Drohbrief oder für den Bau des Sprengsatzes verwendete Materialien – wird dem Ermittlungspuzzle hinzugefügt.

Die Ermittlungen laufen auf Hochtouren. Wegen der Lösegeldforderungen sind auch Expertinnen und Experten, die digitale Zahlungsmethoden auswerten, Teil der Taskforce. Bei diesem sogenannten Crypto-Tracing arbeiten Fachpersonen von Europol und fedpol eng zusammen. Involviert sind auch Spezialistinnen und Spezialisten in Verhandlungsführung, für forensische Abklärungen und digitale Analyse. Bevölkerung und Medienschaffende warten gebannt auf Antworten.

Polizeilicher Grosseinsatz führt zur Festnahme

Ein Täterprofil konkretisiert sich. Am 12. März ist es soweit: Ein Mann, 61-jährig, Schweizer, wird festgenommen. Die Einsatzleitung von fedpol muss aufgrund der vergangenen Sprengstoffanschläge vom Schlimmsten ausgehen. Die Festnahme gelingt in einem grossangelegten Einsatz, für den einige Orte evakuiert werden müssen. Der Einsatz verläuft erfolgreich. Bei den anschliessenden Durchsuchungen finden die Einsatzkräfte zahlreiche Gegenstände, die den Verdacht gegen den Mann erhärten.

Ein Entschärfungsspezialist bei der Absicherung des Einsatzortes für die Hausdurchsuchungen.

Der mutmassliche Täter sitzt in Untersuchungshaft. Für fedpol und die Bundesanwaltschaft ist die Arbeit jedoch nicht zu Ende: Motiv, persönliche Hintergründe, mögliche weitere Zusammenhänge – all das ist Teil der noch laufenden Ermittlungen. Die Unschuldsvermutung gilt so lange, bis ein rechtskräftiges Urteil vorliegt.

Sechs Monate lang arbeiten fedpol, die Kantonspolizei Genf und die Bundesanwaltschaft Seite an Seite. Aus den vielen einzelnen Puzzleteilen entsteht ein Gesamtbild. Für die Öffentlichkeit bedeutet diese Zusammenarbeit vor allem eines: mehr Sicherheit. Für die Ermittlungspartner ist es der Beweis, dass sich enge Zusammenarbeit auszahlt.

«Dieser Fall ist zum Glück auch mit jahrzehntelanger Erfahrung eine Besonderheit – einen aktiven, lebensgefährdenden Serientäter zu ermitteln, bringt einiges an Druck mit sich. Bei der Intervention waren rund 100 Polizistinnen und Polizisten im Einsatz. Eine solche Ermittlung gelingt nur, wenn Bund und Kanton ihre Stärken kombinieren.»

Fabio, Gesamteinsatzleiter

Ohne Informationsaustausch keine Polizeiarbeit