Ende der Fahnenstange für den Strippenzieher eines Drogenhandels

Frühling 2024: Internationale Partner setzen fedpol über mögliche Drogenlieferungen in die Schweiz in Kenntnis. Fast ein Jahr später gelingt, dank intensiven Ermittlungen und einem langen Atem, die Zerschlagung eines Netzwerks, das zwischen der Schweiz, Frankreich und Deutschland operierte.

Alles beginnt im Frühjahr 2024, als fedpol von seinen französischen Kolleginnen und Kollegen des Office anti-stupéfiants (OFAST) kontaktiert wird. Das OFAST ist einem kriminellen Netzwerk auf der Spur, das verdächtigt wird, via Container grosse Mengen an Betäubungsmitteln nach Europa zu importieren. Kokain aus Südamerika und Haschisch aus Marokko werden über spanische Häfen in die Schweiz geschleust und hier verteilt. Im Zentrum des Falls steht Frank* (30), ein zentraler Mittelsmann.

Rasch nimmt die Bundeskriminalpolizei (BKP) von fedpol Vorermittlungen auf. Ziel ist es, zum einen die französischen Behörden zu unterstützen, zum anderen festzustellen, wie gross das Ausmass des Handels auf Schweizer Staatsgebiet ist und welche Kantone davon betroffen sind, damit Letztere in die Ermittlungen eingebunden werden können.

Eine erste Observation durch die BKP bestätigt Franks Machenschaften im August 2024. Bei dieser Gelegenheit wird insbesondere auch ein kurzes Treffen mit Richard* beobachtet, einem deutschen Staatsangehörigen, der schon bald den Beweis erbringen wird, dass die Aktivitäten des Netzwerks nicht an der Landesgrenze Halt machen, sondern bis nach Süddeutschland reichen.

Enge Zusammenarbeit zwischen den Behörden

Während dieser ersten Überwachung durch Ermittlerinnen und Ermittler von fedpol können konspirative Treffen zwischen Frank, Richard und weiteren Personen aus dem Raum Zürich bestätigt werden. Mehrere Adressen werden identifiziert, ebenso ein oder zwei potenzielle Drogenlagerorte. Gestützt auf diese Erkenntnisse leitet die Bundesanwaltschaft im September 2024 wegen Verdachts auf Betäubungsmittelhandel ein Verfahren gegen Frank ein.

In den folgenden Wochen wird in der Region Zürich eine Reihe von Transaktionen beobachtet: Lieferungen von «marokkanischen Koffern» (Pakete mit Cannabisharz, zu einem Packen gebunden und des einfacheren Transports halber mit einer Blache umwickelt), von Kokain, und – im Nachgang zu den Lieferungen – mehrmaliges Aufsuchen einer Wechselstube. Die Aufgaben verteilen sich fortan auf mehrere Behörden: Die Kantone verfolgen namentlich die Zwischenhändler, die Drogen kaufen und damit «Detailhändler» beliefern, aber auch selbst verkaufen. fedpol führt die Ermittlungen gegen Frank und seinen deutschen Komplizen sowie die Koordination der Operation auf internationaler Ebene weiter.

Ende November 2024 wird in Zürich ein Kunde von Frank verhaftet. Die Polizei stellt über ein Kilo Haschisch sicher, das dieser auf sich trägt. Die Geschichte ist hier aber noch nicht zu Ende. Die Hausdurchsuchung an seinem Wohnort fördern knapp 55 Kilogramm Haschisch, 9 Kilogramm Marihuana und rund 200 000 Franken Bargeld zutage. Die beschlagnahmten Drogen stammen aus dem marokkanischen Koffer, den Frank seinem Kunden vor Kurzem geliefert hatte – eine Lieferung, die von den für den Fall zuständigen Ermittlerinnen und Ermittlern bestens dokumentiert ist.

Razzien in drei Ländern

Fünf Tage später werden bei einer Kontrolle an der Grenze zwischen Österreich und Deutschland in einem Fahrzeug 1,2 Kilogramm Kokain sichergestellt. Das Fahrzeug steht in Verbindung mit dem Netzwerk von Frank und seinem Komplizen Richard, womit nun auch Transporte nach Deutschland bestätigt sind. In mehrmonatiger intensiver Zusammenarbeit haben Frankreich, Deutschland, Spanien und die Schweiz ein genaues Bild des ganzen Netzwerks gewinnen können. Sie beschliessen, zur nächsten Phase überzugehen: den Festnahmen.

Im Februar 2025 treffen in Lyon rund 10 Kilogramm Kokain ein. Kurz darauf verhaftet das OFAST Frank, nachdem die französischen Behörden diesen Teil des Verfahrens in der Zwischenzeit übernommen haben. Wenige Stunden später wird Richard in Deutschland festgenommen. In den darauffolgenden Wochen werden weitere Mitglieder des Netzwerks verhaftet. fedpol stellt einen Bericht zusammen, damit die betroffenen Kantone ihre Ermittlungen fortsetzen beziehungsweise Ermittlungen aufnehmen können.

Dank dieser von fedpol koordinierten internationalen und kantonalen Zusammenarbeit konnte ein Netzwerk entlarvt werden, das sich hauptsächlich in Spanien mit Ware eindeckte, die Drogen anschliessend in der Nähe von Lyon lagerte und einen Teil davon in die Schweiz weitertransportierte. Von hier aus wurde mit einem Teil dieser Ware der lokale Markt versorgt und mit dem Rest der deutsche Markt beliefert. Frank organisierte den Transport, die Lagerung, die Verteilung, die Geldabholung – bei ihm liefen alle Fäden zusammen. Zumindest bis der Strippenzieher selbst hinter schwedische Gardinen wanderte.

* Name geändert

«Wenn wir von einem ausländischen Partner Informationen zu einem möglichen Drogenhandel erhalten, zählt vor allem rasches Handeln, um das Tun zu vereiteln und die involvierten Personen zu identifizieren. Die enge Zusammenarbeit mit den Kantonen ist in dieser Phase absolut entscheidend.»

Jan, Bundesermittler

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