Eurovision Song Contest im Dreiländereck
Die Sicherheit rund um den Eurovision Song Contest fordert auch fedpol. Der Wettbewerb findet in einer Zeit statt, die von zahlreichen geopolitischen Spannungen und einer akzentuierten Terrorbedrohungslage geprägt ist.
Vom Messeplatz bis zum Rheinufer: In der zweiten Maiwoche des Jahres 2025 strömen die Menschen in Scharen nach Basel. Die 69. Austragung des Eurovision Song Contest (ESC), die warmen Frühlingstage und zahlreiche Aktivitäten wie das Karaoke-Tram und die Strassenkonzerte locken über eine halbe Million Menschen in die Stadt am Dreiländereck. 37 ausländische Künstlerdelegationen sind zu Besuch; 1500 Medienschaffende berichten live vor Ort, und rund 160 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer verfolgen das Spektakel am Fernsehen. Die Kantonspolizei Basel-Stadt und die Polizei Basel-Landschaft sind stark gefordert – fedpol ist deshalb unterstützend im Einsatz.
fedpol zum ersten Mal am Eurovision Song Contest
Mitarbeitende von fedpol unterstützen die bikantonale Einsatzleitung während zehn Tagen vor Ort, am Puls des Geschehens. Sie erstellen Lageanalysen, unterstützen bei Ermittlungen mit Kriminalitätsbezügen zum Ausland, koordinieren die internationale Polizeizusammenarbeit und legen die Massnahmen für den Personenschutz fest.
Gemeinsam mit der Basler Einsatzleitung und dem Veranstalter leitet fedpol zudem ein Sicherheitsbriefing: Die rund 35 Vertreterinnen und Vertreter ausländischer Botschaften und Konsulate in der Schweiz werden vor dem Anlass auf mögliche Krisenszenarien vorbereitet und erhalten alle notwendigen Informationen zu den Sicherheitsmassnahmen.
Geopolitische Krisenherde
Die geopolitischen Spannungen – etwa der Nahostkonflikt zwischen Israel und Palästina – machen auch vor dem ESC nicht Halt. So kommt es während der Grossveranstaltung in Basel zu DDoS-Angriffen (aus dem Englischen: Distributed Denial of Service), bei denen verschiedene Schweizer Websites durch immense Mengen an Anfragen überflutet werden und nicht mehr abrufbar sind. Hinter der Störaktion steht mutmasslich eine ausländische Gruppierung, die das Hamas-Verbot ablehnt, das am zweiten Halbfinaltag in der Schweiz in Kraft tritt.
Die ESC-Delegationen sind zwar keine völkerrechtlich geschützten Personen, dennoch haben einzelne Delegationen ein grösseres Sicherheitsbedürfnis als andere, unter anderem die israelische Künstlerin. Die bikantonale Einsatzleitung sorgt für ihre Sicherheit, fedpol für den kontinuierlichen Austausch mit den Polizeiattachés aus den betroffenen Ländern sowie dem Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelgenheiten.
Zusammenarbeit mit Europol
Die Lage des Austragungsorts Basel – im Dreiländereck zwischen Deutschland und Frankreich – erfordert eine besonders effiziente, grenzüberschreitende Polizeikooperation. Auf Antrag von fedpol entsendet Europol zwei Mitarbeitende nach Basel, die die Polizeikräfte insbesondere bei Vorermittlungen und der Lageanalyse unterstützen.
In einem Fall wird während des ESC ein französischer Staatsangehöriger bei der Einreise in die Schweiz kontrolliert. Dabei stellt sich heraus, dass diese Person im Schengener Informationssystem ausgeschrieben ist. Nach Rücksprache mit Europol und den ausschreibenden Behörden im Ausland steht fest: Der Mann wurde in der Vergangenheit wegen der möglichen Planung eines Terroranschlags in Frankreich zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. fedpol teilt diese Information mit den involvierten nationalen Partnerbehörden, die sicherstellen, dass der Franzose nicht in die Schweiz einreisen kann.
Nach rund zehn Tagen in Basel heisst es für die Mitarbeitenden von fedpol: Einsatz erfolgreich abgeschlossen. Für künftige Einsätze bedeutet dies: Pilotprojekt geglückt.
«Die Lage des Ausführungsortes, die geopolitischen Spannungen und der enorme mediale Fokus bedeuten eine Kumulation von Herausforderungen für uns Sicherheitsbehörden. Umso wichtiger sind die Planung, das Zusammenspiel und die reibungslose Umsetzung der Sicherheitsmassnahmen.»
Benedikt, Stellvertretender Direktionsbereichsleiter Internationale Polizeikooperation