Auf der Suche nach russischen Geldern

Aus einer Spontaninformation der Meldestelle für Geldwäscherei entwickelt sich ein Erfolg versprechender Fall. Mehrere europäische Länder sind betroffen. Im Fokus steht Geldwäscherei, möglicherweise im Zusammenhang mit der Umgehung von Sanktionen.

Als 2024 die Behörden eines ausländischen Staates Vermögenswerte in Millionenhöhe beschlagnahmen, die in Verbindung mit russischen Geschäftsleuten stehen, ist das internationale Medieninteresse weitreichend. Im Fokus steht der sanktionierte russische Oligarch Aleksandr*, der mutmasslich dem Kreml nahesteht. Aber auch Oleg* und Dimitri*, deren Namen bereits 2021 in den «Panama Papers» auftauchten, stehen im Fokus, denn sie werden verdächtigt, für Aleksandr als Strohmänner agiert zu haben. Die beiden sollen zahlreiche Immobilien erworben haben, hauptsächlich mittels Darlehen von privaten Unternehmen mit Sitz in Zypern und auf den Britischen Jungferninseln.

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Das internationale Medienecho hallt bis in die Schweiz: Die Meldestelle für Geldwäscherei (MROS) erhält zahlreiche Verdachtsmeldungen, insbesondere von Schweizer Privatbanken, die einen Bezug zu Oleg und Dimitri haben. MROS analysiert die eingegangenen Meldungen und verschickt eine sogenannte Spontaninformation an die betroffene Financial Intelligence Unit (FIU).

Spontaninformationen der MROS

Eine Spontaninformation der MROS ist eine Mitteilung, die an die Strafverfolgungsbehörden, die ausländischen Financial Intelligence Units (FIU) oder die zuständigen nationalen Behörden geschickt wird, wenn Anhaltspunkte für Geldwäscherei, deren Vortaten oder Terrorismusfinanzierung bestehen. Eine Spontaninformation beinhaltet je nach Fall auffällige Transaktionen, konkrete Personen oder Gesellschaften sowie mögliche Zusammenhänge mit medial bekannten Ermittlungen. Sie erfolgt meistens ohne das Ersuchen einer Behörde, sondern wird von der FIU selbstständig erstellt. 2025 versendet MROS 223 Spontaninformationen an ausländische FIU.

Die Spontaninformation führt zu einem Austausch zwischen der zuständigen ausländischen Strafverfolgungsbehörde und fedpol. Dabei wird ersichtlich, dass weitaus mehr Länder von der Beschlagnahmung der russischen Gelder betroffen sind. Weitere europäische Länder werden in diese Operation miteinbezogen. Der Verdacht erhärtet sich, dass Oleg und Dimitri in mehreren Ländern eine undurchsichtige und komplexe Struktur von Sitzgesellschaften aufgebaut haben. Die Strohmänner nutzen ihr Eigentum, unter anderem Liegenschaften, sowohl für persönliche als auch für geschäftliche Zwecke. Über ihre Bankkonten waschen sie das Geld und umgehen so möglicherweise Sanktionen.

Das russische Geld liegt auch in der Schweiz

Die Ermittlungen zeigen, dass Oleg und Dimitri in mehreren Kantonen Vermögen besitzen. Die zuständige ausländische Strafverfolgungsbehörde reicht beim Bundesamt für Justiz ein Rechtshilfeersuchen ein mit dem Ziel, Hausdurchsuchungen durchzuführen und die Vermögenswerte von Oleg und Dimitri zu beschlagnahmen, insbesondere Bankkonten und Immobilien. Eine kantonale Staatsanwaltschaft übernimmt die Ausführung des Rechtshilfeersuchens. fedpol koordiniert den Fall in der Schweiz und im Ausland. Ende 2025 ist es so weit: Über 50 Schweizer Ermittlerinnen und Ermittler sowie Staatsanwältinnen und Staatsanwälte aus mehreren Kantonen sind im Einsatz.

Die Beschlagnahmungen finden als Erstes in der Schweiz statt; weitere Aktionen in europäischen Ländern werden folgen. Es handelt sich bis heute um einen der grössten Fälle im Kontext der Geldwäscherei zum Zweck der Sanktionsumgehung.

«Medienberichte im Zusammenhang mit Geldwäscherei, insbesondere bei geopolitischen Konflikten, sind eine wichtige Informationsquelle für Finanzintermediäre und Strafverfolgungsbehörden. Sie können die Übermittlung von Verdachtsmeldungen sowie die Eröffnung von Strafverfahren beschleunigen.»

Raffaele, Verbindungsbeamter im Ausland

* Name geändert

Geldwäscherei: Zahl der Meldungen steigt um mehr als ein Drittel an

Ohne Informationsaustausch keine Polizeiarbeit