Testen, optimieren, koordinieren: 2025, ein Schlüsseljahr für die E-ID

2025 haben die Vorbereitungen für den elektronischen Identitätsnachweis (E-ID) bei fedpol einen Meilenstein erreicht: Dank einer Beta-Version konnte die Infrastruktur unter echten Bedingungen getestet werden. Zugleich hat fedpol mit dem Aufbau der Staatlichen Identitätsstelle begonnen, die für die Ausstellung der E-ID zuständig sein wird. Ein koordinierter, kollektiver Effort im Vorfeld der Ende 2026 geplanten Einführung.

Hand aufs Herz: Wer hat sich noch nie – auch nicht für einen kurzen Augenblick – gewünscht, in eine fremde oder völlig neue Identität schlüpfen zu können? In den vergangenen Monaten ging das! Und erst noch ganz legal. Der Bund machte es möglich: mit der Beta-ID. Wer wollte, konnte sich eine fiktive Identität zulegen und damit die Umgebung des künftigen elektronischen Identitätsnachweises testen.

Für die Entwicklerteams war es ein Test in voller Lebensgrösse. Für fedpol war die Phase Teil eines grösseren Ganzen: 2025 sind die Vorbereitungen im Hinblick auf die geplante Einführung der E-ID am 1. Dezember 2026 auf technischer wie auch organisatorischer Ebene mit Siebenmeilenschritten vorangekommen.

Die E-ID und fedpol

Die Aufgabe von fedpol wird es sein, die Identität der antragstellenden Personen anhand der Daten aus den amtlichen Personen- und Zivilstandsregistern zu überprüfen und gestützt darauf die E-ID auszustellen. Um eine E-ID zu beantragen, scannt die antragstellende Person in der Applikation Swiyu Wallet ihr Ausweisdokument und übermittelt ihre Daten (Name, Vorname, Geburtsdatum und Ausweisnummer). Anschliessend nimmt sie ein kurzes Video von sich auf. So wird verifiziert, dass es eine echte Person ist, die gerade eine E-ID beantragt (Liveness Check). Aus dem Video wird ein Referenzfoto extrahiert und mit dem Foto in den amtlichen Registern verglichen. Stimmt alles überein, so wird die E-ID innerhalb von Minuten direkt auf das Smartphone ausgestellt. Alternativ ist auch eine Vor-Ort-Verifikation möglich, zum Beispiel im Passbüro oder bei der zuständigen Identifikationsbehörde.

Beta-ID: öffentlicher Stresstest für die Infrastruktur

Die ab Frühling 2025 bereitgestellte Beta-ID diente als grossangelegtes «Versuchslabor», mit dem sich das Verhalten des Systems im realen Einsatz beobachten, Funktionen testen und die erforderlichen Anpassungen identifizieren liessen. Dank dieser Etappe konnte fedpol, das die E-ID künftig ausstellen wird, die betroffenen Systeme und die IT-Infrastruktur adaptieren und optimieren. Die grösste Herausforderung bestand darin, die Testumgebung zu betreiben, während parallel dazu – dank sukzessiver Verbesserungen über agile Sprints (siehe Box) – die finale Version entwickelt wird.

Was ist ein Sprint?

Ein Sprint gemäss der agilen Methode ist eine kurze, definierte Zeitspanne, während der ein Team seine Ressourcen auf ein präzises Ziel konzentriert. Im IT-Bereich können so Funktionalitäten entwickelt, getestet und verbessert, ein spezifisches Problem behoben und innert kurzer Zeit konkrete Ergebnisse erzielt werden – etwa zur Implementierung der Benutzeroberfläche für die Vor-Ort-Verifikation. Nach Abschluss eines Sprints steht in der Regel eine funktionierende oder verbesserte Version des Produkts zur Verfügung.

Die Staatliche Identitätsstelle, eine zentrale neue Struktur

Neben den technischen Aspekten hat fedpol 2025 auch mit dem Aufbau der Staatlichen Identitätsstelle (SID) begonnen. Die Umsetzungsarbeiten laufen 2026 weiter. Die in der SID tätigen Spezialistinnen und Spezialisten werden die Ausstellung und Verwaltung der E-ID über deren ganzen Lebenszyklus überwachen. Ausserdem werden sie Fälle bearbeiten, bei denen die automatisierte Identitätsverifikation nicht ausreicht und eine manuelle Überprüfung nötig ist. Die SID wird auch IT-Support leisten und mitüberwachen, dass die Online-Identitätsverifikation ordnungsgemäss funktioniert. Stichproben- und verdachtsbasierte Kontrollen ergänzen ihr Aufgabenportfolio.

Synergien nutzen

Die SID wird sich auf – namentlich in der Abteilung Biometrische Identifikation von fedpol – bereits vorhandene Kompetenzen abstützen können. Das benötigte Know-how, insbesondere im Bereich der Identitätsverifikation mittels Gesichtsbildabgleich, überschneidet sich teilweise mit Kompetenzen, die im Projekt AFIS2026 aufgebaut werden.

Die Vorbereitungsarbeiten laufen aber nicht nur bei fedpol auf Hochtouren. Über hundert Personen in verschiedenen Bundesämtern sind am E-ID-Programm beteiligt. Das Bundesamt für Justiz (BJ) koordiniert das Programm, und fedpol arbeitet eng mit ihm zusammen, um die Kompatibilität und Kohärenz der Entwicklungen sicherzustellen. Der gleichen Logik folgt auch der IT-Support: Das Bundesamt für Informatik und Telekommunikation (BIT) wird sich um Zugriffsfragen und Anwendungsprobleme kümmern, während fedpol Second-Level-Support in komplexeren Fällen leisten wird, namentlich in Zusammenhang mit der Ausstellung der E-ID oder in Situationen, die sich nicht mit Standardantworten lösen lassen.

«Ich bin sehr zufrieden mit dem Fortschritt der Arbeiten zum Aufbau der SID. Eine massgebliche Schlüsseletappe steht allerdings noch bevor: die bundesinterne Testphase, die ab Juli 2026 vorgesehen ist. Sie wird entscheidend sein, damit wir für die geplante flächendeckende Einführung per 1. Dezember 2026 bereit sind.»

Isaline, verantwortliche Projektleiterin für den Aufbau der SID