«KidFlix» in der Schweiz

Jahrelange Ermittlungen führen zu einem der grössten Erfolge im Kampf gegen die Verbreitung von Darstellungen sexualisierter Gewalt an Kindern. So gelingt dem Bayerischen Landeskriminalamt (BLKA) mit Unterstützung mehrerer Länder, darunter die Schweiz, ein wichtiger Schlag gegen die Darknet-Plattform KidFlix.

Mehr als 91 000 Videos, 6 288 Stunden Material und im Schnitt drei neue Videos, die jede Stunde zur Verfügung gestellt werden – es handelt sich nicht etwa um Zahlen der Streaming-Plattform Netflix, sondern um KidFlix. Eine Darknet-Plattform, die Videos mit teilweise schwerem sexuellem Missbrauch von Kindern, mitunter von Kleinkindern, anbietet.

Die Plattform KidFlix ist einzig über das sogenannte TOR-Netzwerk abrufbar, das anonymes Surfen ermöglicht. Im Darknet kann nicht zurückverfolgt werden, wer auf diese Streaming-Plattform zugreift. Die Videodateien stehen mehrheitlich kostenfrei zur Verfügung. Wünscht jemand Videodateien in hoher Bildqualität, wird eine Gebühr von 180 US-Dollar erhoben, die ausschliesslich per Kryptowährung zahlbar ist. Die Gebühr gewährt den Nutzern eine lebenslange Zugangsberechtigung auf die gesamte Plattform.

Beginn der Ermittlungen

Das BLKA stösst im Jahr 2022 erstmals mittels Darknet-Monitoring auf KidFlix. Es steht vor der grossen Herausforderung, die Nutzer im anonymen Darknet zu identifizieren. Auch wenn die Nutzer anonym sind, ihr Zahlungsverkehr mittels Kryptowährungen hinterlässt Spuren und bietet den Ermittlerinnen und Ermittlern des BLKA erste Hinweise für die Identifizierung möglicher Nutzer. Konkrete Ermittlungsresultate folgen 2024: Die deutschen Partnerbehörden informieren anschliessend Europol und die betroffenen Staaten über die Streaming-Plattform und die mutmasslichen Nutzer. Das Ziel: weltweit die identifizierten Nutzer gleichzeitig festzunehmen.  

Unter dem Operationsnamen STREAM übernimmt fedpol vom BLKA die Fälle, die einen Bezug zur Schweiz haben. Dabei identifiziert fedpol zehn Personen als sogenannte Premium-User. Um gegen die Tatverdächtigen vorzugehen, holt fedpol die betroffenen Partner mit ins Boot: die Kantonspolizeien Aargau, Bern, Thurgau, Waadt, Zürich sowie die Polizei Basel-Landschaft und die Stadtpolizei Zürich.

Im März 2025 findet der Zugriff in der Schweiz und in anderen Ländern zeitgleich statt. Zeitgleich, damit sich die Tatverdächtigen nicht untereinander warnen und potenzielles Beweismaterial löschen können. Später folgten weitere Zugriffe in den USA. Weltweit konnten 1 400 Premium-User identifiziert werden: in 32 europäischen Ländern, aber auch in den USA, in Australien, Kanada, Kolumbien und Neuseeland. 79 Verdächtige aller identifizierten Premium-User wurden festgenommen. Die Auswertung der Datenträger, die bei den Festnahmen sichergestellt wurden, wird Monate dauern.

«Viele Pädokriminelle sind Jäger und Sammler. Bei Festnahmen werden entsprechend sehr grosse Datenmengen sichergestellt. Die Analysearbeit ist zeit- und ressourcenintensiv sowie psychisch belastend.»

Yves, Stellvertretender Kommissariatsleiter der Zentralstelle Cybercrime

Auch wenn es sich bei der Operation STREAM um einen der grössten Erfolge im Kampf gegen die Verbreitung von Material von sexuellem Kindesmissbrauch handelt, konnten noch nicht alle Nutzer der KidFlix-Plattform identifiziert werden. Die traurige Realität ist, dass die Täter insbesondere im Bereich der Pädokriminalität weltweit sehr gut vernetzt sind. Sie geben sich gegenseitig Tipps und nutzen Foren mit Anweisungen, um nicht aufzufallen. Es gibt sogar Handbücher dazu.

Umso wichtiger sind gemeinsame grenzüberschreitende Ermittlungen und innovative Instrumente, die auf dem neuesten Stand der Technik sind. Nur so können Täter, aber auch Opfer identifiziert und überführt bzw. in Sicherheit gebracht werden.

Grenzen im Netz?