Operation GLOBAL CHAIN gegen Menschenhandel: Die Fokussierung auf Rumänien bringt Erfolge

Auch 2025 beteiligt sich die Schweiz an den von Europol organisierten internationalen Joint Action Days. Diese richten sich gegen Menschenhandel. Eine Neuheit: fedpol legt erstmals das Hauptaugenmerk auf Opfer und Täter aus Rumänien.

Rumänien bleibt eines der Brennpunktländer, wenn es um Menschenhandel in Europa geht. Das erklärt Kuno, stellvertretender Kommissariatsleiter bei fedpol. Sprich: Sowohl Opfer als auch Täter stammen mehrheitlich aus dem osteuropäischen Land. Nicht zuletzt deswegen hat fedpol im Sommer 2025 neu einen Polizeiattaché nach Rumänien entsandt. Dieser stellt den Informationsaustausch zwischen den Strafverfolgungsbehörden der Schweiz und Rumänien sicher. Rumänien rückt also bei der Kriminalitätsbekämpfung in den Fokus. «Deshalb haben wir entschieden, uns für die Operation GLOBAL CHAIN 2025 auf dieses Land zu konzentrieren», so Kuno. Und fedpol wagt noch einen weiteren neuen Schritt: Es bittet Europol um zwei Polizeikräfte aus Rumänien, die an zwei Tagen während der Aktion die Schweizer Ermittlungsbehörden unterstützen. Am 3. und 4. Juni gehen also eine rumänische Polizistin und ein rumänischer Polizist zusammen mit Einsatzkräften von fedpol und lokalen Polizeien auf Kontrolle im Milieu. Dies in insgesamt vier Kantonen: Bern, Basel-Landschaft, Basel-Stadt und Tessin.

Vertrauen dank der Landsfrau

Kuno ist in Bern und im Tessin Teil der Patrouille. Sie kontrolliert mehrere Etablissements und geht dabei gezielt auf rumänische Sexarbeiterinnen zu. Die Frauen werden einzeln befragt und fassen schnell Vertrauen, wie er sagt: «Dank der rumänischen Kollegin, mit der sie in ihrer Landessprache kommunizieren können, ist das Eis schnell gebrochen. Es finden sehr offene Gespräche statt.» Es werden sogar Kontaktdaten ausgetauscht. Die Polizistin ermuntert ihre Landsfrauen dazu, sich bei ihr zu melden, falls sie in ihrem Heimatland Repressionen befürchten. Prostitution ist in Rumänien nämlich verboten. Die rumänische Polizistin staunt deshalb nicht schlecht, wie offen die Schweiz mit dem Thema umgeht. «In vielen anderen Ländern findet Prostitution versteckt irgendwo im Hinterhof statt», so Kuno. Auch die Sicherheitsmassnahmen überraschen die rumänische Ermittlerin positiv: Dass sich die Zimmer mit einer Stahltüre verschliessen lassen, die von aussen nicht einfach aufgebrochen werden kann. Und dass es Security gibt, die sich um den Schutz der Frauen kümmert.

Trotzdem ist Sexarbeit auch in unserem Land oft ein gefährliches Geschäft: Während der zweitägigen Aktion in der Schweiz identifiziert fedpol gemeinsam mit den Partnern 130 potenzielle Opfer von Menschenhandel zum Zweck der sexuellen Ausbeutung. Diese Fälle weiter abzuklären, liegt nun in den Händen der Kantone.

Kuno bezeichnet die Joint Action Days Operation GLOBAL CHAIN 2025 als Win-win-Situation: Die Sexarbeiterinnen konnten offen über ihre Situation sprechen, ohne sprachliche und kulturelle Hürden. Und die Polizeien haben dadurch viel Wertvolles dazugelernt. Die Zusammenarbeit mit Rumänien im Kampf gegen Menschenhandel hat sich seither intensiviert.

Joint Action Days Operation GLOBAL CHAIN 2025 – Resultate in der Schweiz

Anzahl Teilnehmende an den Kontrollen255
Kontrollierte Lokalitäten148
Kontrollierte Personen457
Geprüfte Dokumente498
Potenzielle Opfer130
Polizeiliche Anhaltungen32
Kontrollierte Fahrzeuge16
Joint Action Days Operation GLOBAL CHAIN – gemeinsam gegen Menschenhandel

Die Joint Action Days Operation GLOBAL CHAIN wurden unter der Leitung der österreichischen Strafverfolgungsbehörden durchgeführt, unterstützt von Europol, der Europäischen Agentur für die Grenz- und Küstenwache (Frontex) und INTERPOL. Sie waren der Bekämpfung von Menschenhandel gewidmet und fanden europaweit vom 1. bis 6. Juni 2025 statt. Die Schweizer Polizeikorps beteiligten sich am 3. und 4. Juni und führten vorwiegend im Rotlichtmilieu Kontrollen durch. Diese wurden von der Zentralstelle Menschenhandel und Menschenschmuggel bei fedpol koordiniert. Sie betrieb in Bern ein Backoffice und war während der gesamten Joint Action Days mit einer Mitarbeiterin im Koordinationscenter bei Frontex in Warschau vertreten. Dort kamen Verbindungsbeamte aus insgesamt rund 40 Ländern zusammen und gewährleisteten untereinander einen zeitverzugslosen polizeilichen Informationsaustausch. In der Schweiz haben die Kantone BE, BL, BS, FR, GE, GR, NE, TI, VS, ZH und die Fremdenpolizei der Stadt Bern an den gemeinsamen Aktionstagen teilgenommen.

«Seit der Joint Action Days Operation GLOBAL CHAIN 2025 erhalten wir viel mehr Anfragen von unseren rumänischen Kolleginnen und Kollegen. Die Zusammenarbeit mit diesem Land hat sich intensiviert.»

Kuno, Stellvertretender Kommissariatsleiter Zentralstelle Menschenhandel und Menschenschmuggel

Ohne Informationsaustausch keine Polizeiarbeit